10.12.2017

 

Besinnliche Vorweihnachtszeit!

 

Weihnachtszeit - besinnliche Tage, Ruhe, Lichterglanz. Man hat den Eindruck, eine Mehrzahl der Menschen hat in den Startlöchern gewartet, dass endlich, endlich! der Totensonntag vorbeigestrichen ist und man - den Daumen auf der Fernbedienung - die Lichterkette in Gang setzen kann.
So ist denn in unseren Zeiten die eigentlich dunkle Jahreszeit zu der hellsten verkommen und es gibt noch kaum ein Fleckchen, weder Stadt noch Land, wo man raustreten in die kalte Winternacht und den Himmel betrachten kann. Mit seinen - wortwörtlich - Milliarden funkelnden Sternen.
Links neben dir - du kannst es nicht übersehen - das blinkende Rentier mit dem Schlitten hintan und dem lustigen, bunten Weihnachtsmann, der sogar die Verkehrsampel überstrahlt. Und rechts das Haus mit den vielen Lichterketten auf dem Dach, bei der man Furcht bekommt, dass nicht die nächste Boing darauf landet. (Kann mal den Leuten irgendwer erklären, dass der Film »Fröhliche Weihnachten« mit Clark W. Grisworld als Satire zu sehen ist?!)
Die Häuser- und Straßenzüge sind geschmückt wie eine aufgetakelte, angejahrte Prostituierte; man befürchtet angesprochen oder wenigstens angezwinkert zu werden. Längst vergessen der Grund für und die Geschichte hinter dem Weihnachtsfest. Kaum noch jemand, der weiß, dass Maria und Josef in dem Stall, in welchem Jesus zur Welt kam, vielleicht eine - wenn es hochkam - zwei Kerzen zur Verfügung hatten.
Ein einzelnes Licht, eine Flamme, geschickt platziert, ist um Längen beeindruckender, als all diese neumodischen Lichterketten, in Reihe geschaltet!

Und so müllen wir fleißig weiter die Umwelt zu, sei es mit Unrat, mit Abgas, mit Lärm oder eben mit Licht. Wir merken nicht, wie sehr wir die Erde verändern, die Natur, unseren eigenen Lebensraum.
Denn natürlich bleibt diese ständig zunehmende Lichtverschmutzung nicht folgenlos. Flora und Fauna sind auf den Tag-Nachtrhythmus eingestellt, es gibt genügend Tierarten, die im Finstern auf Beutezug gehen.
An der Universität Bern wurden Untersuchungen zum Einfluss künstlicher Beleuchtung auf den Bestäubungsvorgang einzelner Pflanzen angestellt. Man kam zu dem Ergebnis, dass auf künstlich beleuchteten Wiesen die Bestäubung um bis zu 62 Prozent zurückging. Die Kohldistel erbrachte unter Beleuchtung einen Ertrag an Früchten, der 13 Prozent unter dem unbeleuchteter Pflanzen lag. Das zeigt, dass die zunehmende Beleuchtungswut in der Natur nicht unerhebliche Spuren hinterlässt.
Einen weiteren Grund gibt es, sich sehr genau zu überlegen, ob man die neue Lichterkette in seinem Vorgarten anbringt: In bestimmt 90 Prozent der Fälle sieht die Weihnachtsbeleuchtung in unseren Straßen einfach nur Scheiße aus. Scheiße und großkotzig!


An den restlichen 10 Prozent werde ich mich in den nächsten Wochen erfreuen.

Frohe Weihnachten!

31.10.2017

 

Ego First!

 

Katalonien spaltet sich ab, die Basken schon fast genauso lange. Korsika von Frankreich, Sardinien von Italien, Schottland hat es versucht und auch Grönland und die Färöer-Inseln. Und wenn wir nicht aufpassen, sind die Bayern auch weg.
Wir leben in Zeiten, da ist jeder darauf bedacht, nicht zu kurz zu kommen. Jedermann hat Angst, er könnte übervorteilt werden, der Andere zieht ihn über den Tisch, der Deal, der ausgehandelt wurde, sei zu seinen eigenen Ungunsten ausgefallen.

Amerika First heißt es, übersetzt: für mich das größte Stück vom Kuchen! Der, der das wieder salonfähig gemacht hat, wird von vielen wenigstens für übertrieben narzisstisch, wenn nicht für geistig sehr eingeschränkt gehalten. Aber seine Parolen fielen auf fruchtbaren Boden, wenigstens die Hälfte der wahlberechtigten Amerikaner gab dem Mann seine Stimme. Trotz der Fäkalausfälle im Wahlkampf, nachgewiesener Falschaussagen und schrecklicher Auftritte. (Wollen wir hoffen, dass es nicht wegen heißen muss!)

Also gibt es doch ohne Frage eine Bewegung in derzeitigen Gesellschaften, die von Solidarität, von Miteinander, Empathie und Mitleid wenig halten. Die eigene Gruppe muss gestärkt werden, die eigene Gruppe ist die richtige, und wenn die eigene Gruppe einen Vorteil erzielt, ist es rechtens; wenn den anderen ein Vorteil gewährt wird, ist das falsch.

Woran liegt das? Schnellt das Gummiband der Geschichte jetzt von einem Ende der Skala zurück auf die andere Seite?
Natürlich ist ein gesunder Egoismus gut, das Gruppendenken haben wir von unseren Vorfahren übernommen und in einem gewissen Maße ist es wohl auch notwendig.
Und sicherlich ist nicht jede Autonomiebewegung eine nationalistische (grade den Katalanen wäre es wohl zu gönnen, mehr Autonomie zu erhalten, nachdem sie jahrzehntelang unterdrückt und nach Ende des Franco-Regimes lange nicht rehabilitiert wurden [die Frage ist natürlich, auf welchem Weg das zu bewerkstelligen ist]).

Doch zu fragen ist: Wohin wird uns diese Bewegung führen? Kleinstaaterei, gegenseitiges Belauern, kriegerische Übergriffe? Nicht umsonst wurde in letzter Zeit auf Gemeinsamkeiten zwischen unserer und der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg hingewiesen.
Wie gesagt, Kleinstaaterei und das strikte Beharren auf die eigenen Interessen, das kann nicht der beste Weg in die Zukunft sein.


Viele, wenn nicht alle, würden hinten runterfallen.

08.04.2017

 

Stockholm, 04/17


Wieder ist es passiert, wieder sind Menschen gestorben bei einem Anschlag, der wie aus dem Nichts kam.

Natürlich ist das Unsinn; er kam nicht aus dem Nichts und er war genauso wenig unvorhersehbar. Aber die Menschen, die zu Schaden kamen, für die Hinterbliebenen und Opfer traf es völlig unvorbereitet. Und das ist genau das perfide Ziel der Drahtzieher:  Gefühl, es könne jeden treffen, jederzeit.


Und wieder höre ich sie, die Mutmacher, die professionellen Angstvertreiber und Wahrheitsverwischer: Wir lassen uns unsere Art zu leben nicht verbieten.
Und ich könnte, wenn ich das wieder hören muss, mit Verlaub und bei allem Respekt gesagt, kotzen!
Was ist unsere Art zu leben? Ist meine Art zu leben auch die meines Nachbarn? (Ich hoffe doch nicht!) Und vor allen Dingen: Woher weiß ich (oder eben diese selbst ernannten Fernsehprediger), dass unsere Art zu leben, die richtige ist?

Dafür habe ich noch nicht einen ernsthaften Versuch erlebt, die wahren Motive dieser Attentäter herauszufinden, ihre wirklichen Beweggründe.
Sicher, die Drahtzieher haben das Ziel die westliche Gesellschaft zu verunsichern, bröckeln zu lassen. Gottesstaat errichten und so, na ja. Wie weit sich diese Leute das vorstellen, ist mir auch nicht ganz klar. Aber es scheint wirklich darauf hinauszulaufen, was Samuel Huntington in den Neunzigern des vergangenen Jahrhunderts postulierte: Clash of Civilizations - Kampf der Kulturen.

Aber was fühlen die kleinen Mitläufer, die für eine Stunde weltweit populär sind? Warum tun sie anderen Menschen das an? In wieweit muss das Leben dieser Menschen verkorkst sein, damit sie anderen das ihre zu nehmen imstande sind.

Ist es der Fluch des Autors, des Schaffenden, sich immer und fortwährend in den Anderen hineindenken zu wollen? Auch den abartigsten Menschen (wir nennen ja gern mal andere Menschen abartig oder verrückt; aber haben wir das Recht dazu? Wenigstens nach dem ersten Moment?) verstehen zu wollen, was ihn treibt, wovor er sich ängstigt.
Fast alles läuft über Motivation: Sag mir, welche Ziele du verfolgst und ich sage dir, wo du stehst. Wenn’s gut läuft, kann ich dir sogar sagen, was du tun wirst.

Vielleicht ist es an der Zeit, sich in unsere Mitmenschen hineinzudenken, auch in die widerwärtigsten.

 

Update 12.04.

 

Offensichtlich gehen die Schweden ähnlich souverän mit der Situation um wie seinerzeit die Norweger mit dem Rechtsterroristen Anders Breivik und seine Tat.

Schnelle Lösungen wird es nicht geben und wenn man mit der Kopf-ab-Mentalität durchs Leben geht, lässt man sich auf genau das Niveau herab, das man zu bekämpfen vorgibt.

 

 

26.03.2017

 

Die unachtsame Gesellschaft

 

Es gibt immer wieder Stichworte, Schlagworte oder Begriffe, mit denen man eine Gesellschaft und deren Zustand zu beschreiben versucht.

 

Wie mag man – vielleicht in einer Rückschau von 50 Jahren – unsere derzeitige Generation (wobei ich Generation nicht als eine bestimmte Bevölkerungsgruppe verstehe, sondern die Gesamtheit der derzeitig lebenden Menschen in einem begrenzten Gebiet, hier eben Deutschland) bezeichnen?

 

Immer mehr bin ich der Meinung, dass mit dem Adverb „unachtsam“ schon viel gesagt ist über unsere Gesellschaft.

 

Unachtsam im Sinne von nicht achtsam.

 

Das Lexikon spricht bei dem Adjektiv achtsam von aufmerksam, kritisch, wachsam.

 

Das mag unserer Gesellschaft nicht unbedingt abgehen, immerhin beobachten wir kritisch und wachsam, was unser Nachbar treibt (vor allem, wenn er nicht unserer Hautfarbe, Konfession oder Weltanschauung, kurz: wenn er nicht Mitglied der von uns selbst gewählten Gruppe ist).

 

Doch diese Achtsamkeit meine ich nicht, oder vielmehr nicht ohne einige weitere Merkmale.

 

 

 

Achtsamkeit ist nämlich schädlich ohne Mitgefühl, Respekt für den Anderen und Empathie. Dann verkommt diese Eigenschaft zum Selbstzweck. Und das im doppelten Sinne, nämlich im eigentlichen und im übertragenen Sinn, wenn die Achtsamkeit nur für die eigene Person von Vorteil ist.

 

Wenn ich in einem Geschäft durch eine Tür gehe, mich nicht darum kümmere, ob jemand hinter mir kommt und die Tür schwingt zurück, beinahe meinem Nachfolger gegen den Kopf, dann ist das unachtsam.

 

Das kann vorkommen, natürlich, niemand ist vollkommen. Doch wenn es die Regel ist, dann nenne ich das ungezogen, ein Flegel ohne Kinderstube. Wenn dieses Verhalten für viele Menschen die Regel ist, dann ist das ein Symptom für eine Krankheit, die unsere Gesellschaft befallen hat.

 

Blinkfaulheit, diese unselige Masche, nachts in der geschlossenen Ortschaft mit aufgeblendeten Scheinwerfern zu fahren (man sieht nicht viel mehr, als wenn man abblenden würde, Anwohner oder Fußgänger jedoch werden gnadenlos geblendet), Parken, wo man will und vor allen Dingen, wie man will!

 

Meine Handlungsweisen daraufhin abzuschätzen, welche Auswirkungen sie auf andere haben. Auch mal zurückzutreten für den Anderen, nicht immer das größte Stück vom Kuchen zu verlangen.

 

Es fällt schwer angesichts dieser verloren gegangenen Tugenden nicht zu sagen: Früher war es besser.

 

 

 

Doch woran liegt das, dass der Mitmensch immer weniger zählt? Oder treffender: Weshalb stehen so viele Menschen in ihrem eigenen Mittelpunkt?

 

Ich denke, das viel damit zu tun, dass propagiert wird, dass wir für den Euro mindestens einen Wert von 1,50 Euro verlangen können. Dass überall ein Preisschild draufklebt und dass alle Sachen möglichst billig zu haben sein müssen.

 

Wer für ein Produkt mehr bezahlt als im Discounter, damit er es nicht im Discounter kauft (weil ihm vielleicht die Angestellten am Herzen liegen und er möchte, dass der Fachhandel überlebt), der ist der Dumme.

 

Geiz ist geil und lass dich nicht verarschen, vor allem nicht beim Preis.

 

Doch was kommt dabei raus, wenn man immer das Billigste will, wenn man quasi den Gegenüber übervorteilen will?

 

Massentierzucht mit allen unangenehmen Konsequenzen. Billiglohnsektor, ebenso. Der Preis kann immer noch gedrückt werden, und es findet sich garantiert irgendein Anbieter, der das auch macht.

 

 

 

Pfui, schämt euch, Menschen! So macht ihr nicht nur das Zusammenleben kaputt, ihr macht auch alles andere mit diesem Verhalten kaputt!

 

Und nebenbei wird dadurch auch ein Mensch wie Donald Trump (der ja genau diese unachtsame Lebensweise propagiert) Präsident der Vereinigten Staaten.

 

 

03.10.2016


Mal was anderes: Die Demokratie retten!


Die Frage lautete:

»Wollen Sie, dass die Europäische Union auch ohne Zustimmung des Parlaments die zwingende Ansiedlung von nicht ungarischen Staatsbürgern in Ungarn vorschreiben kann?«


Das Wahlvolk in Ungarn war am gestrigen Sonntag indirekt dazu aufgefordert, über die Flüchtlingspolitik der EU (IMHO Angela Merkel) abzustimmen.


Nicht nur, dass die Frage wissentlich tendenziös und sogar falsch gestellt ist. Wer will über diese komplizierte, mit Emotionen besetzte Sachlage so einfach handstreichartig mit einem Kreuz bei einer einzigen Frage abstimmen?

Nun, die Sache ist nach hinten losgegangen für den Initiator, doch das Problem an sich bleibt: Will man mehr direkte Demokratie wagen, das heißt Volksabstimmungen, ähnlich Schweizer Vorbild, dann muss man damit leben, dass stark verkürzt über sehr komplexe und komplizierte Themen verhandelt wird.
Und, ohne Misanthrop zu sein, kann ich persönlich bestimmt zwei Dutzend Menschen aufzählen, denen ich nicht zutrauen würde, darüber zum Beispiel adäquat ihre Stimme abzugeben, was (als Beispiel) mit pädophilen Straftätern passieren soll.

Nicht etwa weil die Leute doof wären (na gut, bei dem einen oder anderen trifft das schon zu), sondern eher, weil sich hier eine leise eingeschleppte Seuche bemerkbar macht: die Denkfaulheit.
Mehr und mehr greift diese Krankheit um sich, dass der mündige Bürger immer weniger bereit ist, über Themen, die für ihn wichtig sind, sich angemessen zu informieren. Etwas Mühsal auf sich zu nehmen, um eine Sache aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten. Vielleicht Fakten sammeln, eventuell sogar von der Gegenseite.
Kommt alles nicht mehr vor. Man übernimmt Argumente, man übernimmt sogar Meinungen. Man kann sie nicht begründen, aber man hat sie.

Was kann man dagegen unternehmen? Ich war eigentlich immer für Basis-Demokratie, allerdings bin ich in den letzten Jahren aus oben genannten Gründen von dieser Meinung abgerückt.

Demarchie (das Losverfahren) ist eine charmante Lösung des Problems. Beinahe alle Nachteile der jetzigen parlamentarischen Demokratie hätten wir damit abgeschafft, vielleicht als Einziges nicht den Volkswillen. Doch seien wir ehrlich, wird mit der jetzigen Form der Demokratie der Willen des Volkes ausgeführt?

Durch die gesamte Geschichte der Menschheit wird das Losverfahren für die eine oder andere Form der Entscheidung angewandt.
In der Bibel erwähnt dies Verfahren bei der Bestimmung Sauls als König von Israel.
In Athen wurden Richter-, Stadtverordneten- und andere Ämter per Los besetzt. Der Doge von Venedig wurde mittels einer Mischung aus Los- und Wahlverfahren bestimmt.

So zieht sich das bis in die heutige Zeit, man denke nur an die verschiedenen Geschworenen-Gerichte in einzelnen Staaten. Da legt man bis heute das Recht in die Hände von Menschen, die teilweise durch das Losverfahren in diese Stellung gelangt sind.


David van Reybrouck hat 2007 in seinem Buch »Gegen Wahlen: Warum Abstimmen nicht demokratisch ist« ziemlich schlüssig dargelegt, wie man das Losverfahren in der Politik anwenden könnte.
Bei unserem Beispiel vom Kinderschänder und unserem zukünftigen Umgang mit ihm und seinen Verbrechen: Es werden eine bestimmte Anzahl an Menschen (die Zahl 3000 scheint angemessen) ausgelost, die alle Mittel an die Hand bekommen, sich umfassend mit dem Thema auseinanderzusetzen. Sie bekommen Lektüre, Artikel, können sich mit Experten beraten, mit Betroffenen etc.
Nach einer Phase der Einarbeitung geben dann diese »Delegierten« ihre Stimme ab, und ich bin sicher, das wird dann differenzierter und verantwortungsvoller geschehen als gestern in Ungarn.

 

19.09.2016


Flüchtlinge! Flüchtlinge!


In den vergangenen 12 bis 15 Monaten gab es wohl kaum ein Thema, das kontroverser diskutiert wurde, als Flüchtlinge - die Flüchtlingskrise, die Flüchtlingswelle, die Asylantenflut. Wetter und Benzinpreise mit eingerechnet!

Dabei wird so unsachlich und schief argumentiert wie sonst nur beim Anglerlatein. Begriffe werden durcheinandergeworfen oder gleich falsch verwendet und vor allem werden Gefühle für Fakten genommen. Dumpfe Gefühle, die man nicht eindeutig benennen kann, und kaum jemand macht sich die Mühe, sie zu hinterfragen.

Was also ist Fakt?
Wie viele Menschen (es sind tatsächlich Menschen, mit all den Macken) seit Anfang letzten Jahres real nach Deutschland eingereist sind, ist wohl noch immer nicht hundertprozentig klar, Schätzungen gehen von etwas mehr als 1,2 Millionen Menschen aus. Wie viele davon aber weiter gezogen oder doppelt bzw. dreifach eingereist sind, wie viele vorher schon hier waren, das alles weiß man nicht.
Für ein bürokratiebesessenes Land wie Deutschland natürlich ein Albtraum, zugegeben für die Sicherheit des Landes auch nicht von Vorteil.

Hält man sich an die Fakten: Erstanträge und Folgeanträge auf Asyl zusammen ergaben für 2015 eine Zahl von 477.000.
Das ist ein Anstieg zum Vorjahr um 155Prozent! (Quelle:www.proasyl.de)
Recht ordentlich. Schaut man durch die Presse- und Medienerzeugnisse des Landes, scheint die Aufnahmekapazität schon längst überschritten. Wie sieht es also in anderen Ländern aus, denen es vielleicht nicht ganz so gut geht, wie Deutschland?

Laut UNHCR waren Ende 2015 etwa 65,3 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. 50 Prozent davon (also über 30 Millionen Menschen!) sind Kinder.

In 2015 konnten von 65,3 Millionen Menschen lediglich 201.400 Menschen in ihre Heimat zurückkehren.
86 Prozent der Flüchtlinge (9 von 10) haben Aufnahme in Entwicklungsländern gefunden.

Woher kommen die Flüchtlinge? Laut UNHCR sind 4,9 Millionen Menschen, deren Heimat Syrien ist, auf der Flucht. Damit ist Syrien mit Abstand das Land, aus dem die meisten Menschen fliehen.
Folgende sind: Afghanistan, Somalia, Südsudan, Sudan und Kongo.

Wer nimmt die meisten Flüchtlinge auf (abgesehen davon, dass die übergroße Zahl der Flüchtlinge im eigenen Land umherirrt [Binnenvertriebene sind])?
Die Türkei ist hier einsamer Spitzenreiter mit 2,5 Millionen Menschen, gefolgt von Pakistan, Libanon, Iran, Äthiopien und Jordanien. (Quelle:www.uno-flüchtlingshilfe.de)
Kein westliches Land, alles Schwellen- oder Dritt-Weltländer! 25 Prozent der weltweiten Flüchtlinge befinden sich in Staaten, die laut UN die am wenigsten entwickelten Länder der Welt sind.
Im Libanon kommen auf 1000 Einwohner 186 Flüchtlinge. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 5,9 auf 1000 Einwohner.
(Flüchtling ist übrigens in dieser Statistik eine Person, die »... aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will ...« (Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge von 1951 (Genfer Flüchtlingskonvention).

Was sagen uns diese Zahlen?
Das Flüchtlingsproblem ist größer, als wir es wahrhaben wollen (allerdings in anderer Form, als wir es auf unserem fettigen Tellerrand sehen).
Außerdem werden wir noch lange etwas davon haben. Es gibt Schätzungen, die sprechen von bis zu 600 Millionen Flüchtlinge in den kommenden 20 Jahren. Das heißt, der momentane Flüchtlingsstrom (um mal bei einem dieser Kampfbegriffe zu bleiben) wird nicht abebben, sondern im Gegenteil, erheblich anschwellen.
Wir müssen entscheiden, wie wir diese Probleme lösen, nicht nur in unserem Sinne - das würde uns wieder auf die Füße fallen -, nicht so schrecklich kurzfristig, wie es bis jetzt immer der Fall war und vor allem nicht egoistisch.

 

Damit wir unsere Ansprüche nicht verlieren.