09.07.2020

Die Autoritäten sind müde

Die C-Krise hat uns nun seit einigen Monaten im Griff, Auswirkungen auf die Wirtschaft sind enorm, auf das soziale Leben ebenso.
Wie werden wir herauskommen, wie wird sich die Welt zeigen nach der Pandemie. Dass die Seuche noch lange nicht bezwungen ist, zeigt sich aktuell in Amerika, Brasilien und nicht zuletzt in Israel.

Umso wichtiger wäre es, durchzuhalten mit den Maßnahmen, welche die Krankheit, oder besser ihre Ausbreitung einzudämmen hilft.
Abstand wahren, Hände waschen, Mundschutz, keine Menschenansammlungen. Eigentlich ganz einfach. Eigentlich simpel in der Umsetzung.
Natürlich ist vieles gut gelaufen in der Krise, siehe Deutschland. Wenn ich das richtig sehe, hat Deutschland enorm vom rechtzeitigen Eingreifen profitiert. Doch allmählich (Quatsch, natürlich ziemlich rasant!) macht sich die Corona-Müdigkeit breit, Widerspruch regt sich überall. Die Aussagen der Experten werden massiv in Zweifel gezogen.

Woher kommt das allgemeine Misstrauen gegenüber Autoritäten?
Mit Autoritäten meine ich Fachleute, ausgewiesene Fachleute, die auf einem Feld mehr Wissen haben, als der Durchschnitt der Bevölkerung. Neuerdings (oder vielleicht auch nicht neuerdings) wird von allen alles angezweifelt, was die Wissenschaft hervorbringt.

Damit meine ich weniger die »Flat-Earth«-Vertreter oder Flugscheibenanhänger, Chemtrails-Gläubigen und Neuschwabenland-Spinner.
Es ist noch nicht allzulange her, da gab es eine Reihe Lungenärzte, die Grenzwerte in Zweifel zogen.
Nun sind Grenzwerte eine politische Entscheidung, Wissenschaftler arbeiten da nur zu mit ihren Erkenntnissen. Aber Lungenärzte sind keine Wissenschaftler; als es um das Thema Grenzwerte ging, waren sie genauso viel oder wenig Experte in dem Bereich wie der Toilettenmann in den Spandauer Arkaden oder Dieter Bohlen. Warum aber wurden sie in dieser Situation von einer großen Mengen Menschen als »Autoritäten« auf diesem Gebiet wahrgenommen?
Warum wird ein leidlich prominenter Koch der veganen Küche als Experte auf dem Gebiet der Immunologie anerkannt. Von nicht wenigen Menschen. Es muss doch ein Kriterium geben, nach dem man geht, und das einen dann zu dieser Nase führt.

Ich fürchte, wir haben es hier wieder einmal mit interessegeleiteter Argumentation zu tun. Ich nehme mir den Experten, der mir das Ergebnis bringt, das ich gern möchte.
Ich fahre Diesel, die Deppen von der Umwelthilfe wollen Fahrverbote für mein Autoaufgrund der Abgaswerte durchsetzen? Aber da gibt es doch die Lungenärzte, die sagen, dass die Grenzwerte Mumpitz seien. Die nehm ich, die sind kompetent.

Maskentragen ist mühsam. Ach, da gibt's doch diese »Experten«, die sagen, dass Mundschutz nichts bringt; die nehm ich.
Ich sage damit nicht, dass Mundschutz etwas bringt in der Bekämpfung der Pandemie, die Faktenlage ist unübersichtlich. Ich sage aber auch nicht, dass Masken nichts bringen, und wenn es sein könnte, dass man die Verbreitung eindämmt, indem man Masken trägt, dann werde ich Maske tragen, weil ich immerhin etwas tun kann für meine Mitmenschen.

Ganz sicher spielt der Rückgang der Religion in unserer Gesellschaft eine Rolle; die Lücke, welche die Kirche lässt, möchte ausgefüllt werden. Neue Autoritäten werden gesucht.

Aber warum, verdammt nochmal, kann man sich nicht die Leute als Autorität aussuchen, die was von ihrem Fach verstehen und ihre eigenen Interessen hintanstellen?

21.01.2020

Gesundes Neues 2020!



So, das gleiche Ritual wie letztes Jahr:
Gesundes Neues, mein Lieber! Stößchen auf das neue Jahrzehnt, ich hoffe, das wird genauso gut wie das letzte!

Denken wir nur für den Moment einmal etwas tiefer nach, wissen wir, da ist was falsch. Neues Jahrzehnt, Schwachkopf? Natürlich nicht!
Egal, was man Ihnen in diesen Tagen weißmachen will, das neue Jahrzehnt, die Zwanziger also, die fangen erst am 01.01.2021 an. Klar, die Zeitrechnung, also das erste Jahrzehnt, begann mit dem Jahr 1. Nicht mit dem Jahre 0.
Das neue Jahrtausend begann im Jahre 2001, obwohl alle am 31.12.1999 wie wahnsinnig geworden das neue Millennium begrüßt haben.
Sei es drum.
(Ein Vorsatz, nämlich weniger klugzuscheißen, schon mal gebrochen. Läuft!)

Was forderte ich in meiner Neujahrsansprache 2019? Wie viel davon ist eingetroffen, was haben wir verpasst?
Nichts eingetroffen, könnte man sagen, alles verpasst.

Was also habe ich mir in meiner Naivität auf die To-do-Liste 2019 geschrieben gehabt:
Eine neue Kultur der Diskussion.
Allen Unkenrufen zum Trotz: Ich glaube dran. Und ich glaube auch, dass es machbar ist und dass sich gerade im kommenden Jahrzehnt etwas wandelt. Dass es hier und dort Leute gibt, die gierig sind auf Argumente, auch wenn sie vom Gegner kommen, die Fakten wollen, Tatsachen.
Das heißt nicht, dass es keine Idioten gibt, keine hirnlosen Whats-App-Videos, in denen sich Spinner darüber aufregen, dass wir Altersarmut haben und dann anfangen, über wirklich alles herzuziehen, was sie nicht verstehen oder verstehen wollen.

Dass das mal klar ist: Mich regt Altersarmut auch auf, wahrscheinlich mehr, als viele andere, die darüber schreien. Aber, ich schreie nicht darüber und ich versuche, die wahren Ursachen zu ergründen, ohne Schaum vor dem Mund und ein Brett vor dem Kopf. Das heißt, ich hetze nicht sinnlos gegen Andersdenkende, gegen die da oben und die Scheiß Linken.
Abgehakt!
Ich glaube doch, dass es immer mehr ernsthaft denkende Menschen gibt hier in diesem Land, trotz Meckerplattformen wie »Fridays for Hubraum«.

Ein zweiter frommer Wunsch, den ich vor einem Jahr hegte: Bescheidenheit in Anbetracht unseres immer noch ungeheuren Reichtums.
Na, das war wirklich ein frommer Wunsch, ein dummer. Denn die Ressourcenverschwendung, wie sie seit vielen Jahren immer mehr wird, hat sich auch im vergangenen Jahr nicht verringert.
Die Adventszeit liegt eben hinter uns. Was wir uns dabei – Lichterketten-technisch gesehen – geleistet haben, ist, denke ich, noch einen Zacken schärfer gewesen, als 2018. Ich will nicht wieder mit der alten Leier anfangen, dass eine einzige Kerze erheblich eindrucksvoller ist als eine blinkende Lichterkette, und womöglich auf die schädlichen Nebenwirkungen der Lichtverschmutzung für (unter anderem) die Natur eingehen.
Vielleicht folgender Gedanke: Wir werden über kurz oder lang unsere Energieerzeugung umstellen müssen. Ob auf erneuerbare oder andere CO2-neutrale Formen sei dahingestellt.
Dass wir aber eine ganz andere Form der Energieerzeugung nutzen müssen, nämlich die Energieeinsparung, das hört man von vielen relevanten Experten. Wir werden nicht umhinkommen, die überflüssige Lampe während der Nacht auszuknipsen. Vielleicht die Heizung einen Gang runterschalten oder das Auto mal stehen zu lassen.
Technologische Lösungen dafür wird es nicht geben, auch wenn manche einer diese wie den Heiland erwartet.
Ich erinnere hier nur an den

Was war noch?
»Geiz ist geil«, hatte ich gehofft, würden wir seltener sehen. Gut, das war auch wieder ein sehr frommer, nicht zu erfüllender Wunsch.
Von überall her schreien uns die Plakate an: Billiger! Sale! Zugreifen! Und wir machen alle willig mit.

Doch sehr lange geht das nicht mehr gut, denke ich. Das neue Jahrzehnt (lassen wir uns mal darauf ein) wird ganz sicher ein Jahrzehnt des Verzichts werden. Ich höre schon wieder die Wohlstandswahrer: Verzicht! Diktatur! Öko-Stalinisten!
Super Framing an dieser Stelle. Man müsste zunächst einmal sinnvoll klären, was wir (im Sinne des kleinsten gemeinsamen Nenners) unter Wohlstand verstehen. Da gibt es sicher enorme unterschiedliche Auffassungen und einen ebenso großen Gesprächsbedarf. Aber eben das. Man müsste drüber reden.
Doch das tun wir nicht. Stillschweigend nehmen wir Konsumenten an, dass immer mehr Konsum gleichzusetzen ist mit Wohlstand.
Wenn das aber so ist, und gleichzeitig Konsens ist, dass die Konsumgüter irgendwoher kommen müssen (ich meine damit nicht, dass sie produziert werden, sondern die Mittel, welche für die Produktion notwendig sind, müssen ja auch von irgendwoher kommen!), dann kommt man darauf, dass entweder der Wohlstand endlich ist, irgendwann Schluss ist mit noch mehr Wohlstand. Oder wir beginnen, die Konsumgüter irgendjemand anderem wegzunehmen, als denjenigen, die wir jetzt bestehlen.

Ach, es wird schon ein tolles Jahrzehnt werden, das ist klar. Nicht für jeden, sicherlich. Aber hoffentlich für uns.
(mal ein wenig Ironie zum Abschluss!)

Prost!