05.01.2019

Gesundes Neues!

Gesundes Neues, allerseits.
Ich weiß, man mag es nicht mehr hören, es klingt noch von allen Ecken, ernst gemeint, ja, aber ich kenne doch niemanden, der anderen ein schlechtes neues Jahr wünschen würde. Na ja.

Was wünsche ich mir für das Jahr 2019, nachdem 2018 alles in allem ja wohl eher abgekackt hat. Sich nicht unbedingt von seiner besten Seite gezeigt oder einfach nur versagt hat.

Ein ziemlich großer, ein recht naiver Wunsch, wie ich glaube:
Die Argumente des Andere mögen zählen.

Ich denke, wir müssen alle eine neue Kultur der Diskussion lernen, eine Art und Weise des Miteinanderstreitens, die wir offensichtlich, wenn nicht verloren, dann doch verschüttet und ganz tief vergraben haben.
Wir müssen streiten, natürlich! Viel mehr, als wir das jetzt tun. Aber wir müssen es miteinander tun und immer mit der Prämisse, dass der Andere Recht haben könnte, dass ich gewillt sein muss, bessere Argumente zu akzeptieren. Auch wenn sie von der Gegenpartei kommen. Das setzt aber voraus, dass man sich die Einwände von Gegenüber auch anhört, sie aufnimmt und als vollwertig ansieht.
Es gibt natürlich dämliche Einwände – und das nicht zu knapp –, aber die sollten sich leicht entkräften lassen. Und will der Diskutant sich selbst nicht darauf einlassen – Shit happens!
Vielleicht täte es vielen von uns gut, hin und wieder aus der Rolle des Wissenden in die des Fragenden zu schlüpfen. Zunehmend hat man in dieser Gesellschaft den Eindruck, dass derjenige, der am lautesten schreit, Recht hat.

Zweiter Wunsch: Vielleicht täte uns eine neue Bescheidenheit gut, eine Art, nicht so furchtbar prollhaft geltungssüchtig den eigenen Reichtum zur Schau zu stellen. Denn wahrer Reichtum ist in Wirklichkeit derjenige, den der Nachbar nicht zu sehen bekommt. Das große Auto, das protzige Haus mit dem riesigen Swimmingpool. Es ist eine Gabe, Reichtum als solchen anzuerkennen, und diese Gabe geht uns in gehörigem Maße ab. Vielleicht ist es auch so, dass der Mensch in der Masse mit Reichtum überhaupt nicht umgehen kann, dass er nicht verantwortungsbewusst und zuverlässig die Güter zu verwalten imstande ist.
Denn dass wir reich sind – alle, ohne Ausnahme – das steht ja mal fest; wenn ich meinen Blick ein wenig erhebe und in andere Regionen lenke, wo wirklich Armut herrscht, dann fühle ich mich als König.
Gut, vielleicht ist der Großteil der hier lebenden Bevölkerung nicht reich, kann sein. Arm ist sie im Gegenzug aber sicher nicht!

Dann und wann mal der Aktion »Geiz ist geil« widerstehen! Das wäre mal 'ne Performance, wirklich! Ich träume davon, dass diese ... Supermärkte endlich einmal auf ihre »billigen« Sachen sitzenbleiben.
Vielleicht dringt die Erkenntnis ja dieses Jahr, 2019, zu einigen durch: Es gibt keine billigen Dinge! Irgendjemand bezahlt den Preis, meist ist es derjenige, der sich am wenigsten wehren kann: der Angestellte, die Umwelt, die Allgemeinheit, der einfache Arbeiter in Bangladesch. Zugegeben, eine verkürzte Argumentationskette, doch runtergebrochen auf das Wesentlichste ist das die einzige Wahrheit: Irgendeiner bezahlt immer.

Ressourcen schonen, mit ihnen sinnvoll umgehen – das steht noch auf dem Zettel. Aber das steht schon Jahr um Jahr drauf und verblasst nicht, wird im Gegenteil immer dringlicher.
Doch das ist wohl eine Binsenweisheit, die man nicht wiederholen muss. Oder nicht oft genug wiederholen kann.

In diesem Sinne dann: Prost!