Der Roman wird in den spärlich zu findenden Rezensionen als "klassischer SF-Roman" beschrieben, was meiner Meinung nach vollkommen an der Intention des Autors vorbeigeht.

Wir wissen heute sehr wenig über den Autor; Geburtsdatum, ja - 15.06.1884; Todesdatum, eine Vermutung: Wahrscheinlich ist Levett im Vernichtungslager Maly Trostinez, gut 10 Kilometer entfernt von der jetzigen Hauptstadt von Weißrussland Minsk umgekommen.

Zwei Werke sind Levett heute zuzuordnen: Der in jedem Falle eher der klassischen SF zuzuschreibenden "Verirrt in den Zeiten" und eben der Roman "Papilio Mariposa", entstanden wohl 1935, den man schon eher eine Parabel nennen und sicher der klassischen Fantasy zuordnen könnte.

Fantastisch jedenfalls geht es zu, zumindest in der allerersten Szene, die in Venedig spielt. Der Autor schafft es doch tatsächlich, in dieser einen Szene faschistische Centurien und einen lebendig gewordenen bronzenen Flügellöwen von San Marco gemeinsam unterzubringen. Diese Statue, die scheinbar zum Leben erweckt worden ist, stellt sich gegen Ende des Romanes als etwas vollständig anderes heraus, aber bis dahin sind es noch ein paar Seiten.

Das Konzept der Parabel zieht sich durchs gesamte Buch. Um politische oder gesellschaftliche Verhältnisse klarzumachen, benutzt Levett die Fantasy ganz konkret. Es entsteht streckenweise eine kaum verhüllte Systembeschreibung.

Wenn der hässliche, intelligente Jude Naftali Margoschenes seinen Namen ändert in Papilio Mariposa, wobei anzumerken ist, dass der erste Teil des Namens im Lateinischen Schmetterling heißt und der zweite im spanischen dieselbe Bedeutung hat, dann ist die grobe Richtung schon vorgegeben.

Es geht um Schmetterlinge, als der Jude unerwartet zu Reichtum kommt und wissenschaftliche Studien auf einem entlegenen Gut betreiben kann. Auch bei den Studien selbst geht es um Schmetterlinge. Und die Auflösung des Rätsels, wohin der Jude und Wissenschaftler Papilio Mariposa verschwunden sein könnte, die man frühzeitig zu erahnen in der Lage ist, hat ebenfalls konkret mit der Falterfamilie zu tun.

Es sind einfachste literarische Mittel, die Levett benutzt, und oft genug ist man gewillt zu sagen, dass das Buch langweilig scheint. Trotzdem geht von dem Roman, der so gar nicht den Gesetzen des Romanes folgen will, ein eigenartiger Zauber aus. Er ist einem sympathisch, wie ein guter Freund und spätestens wenn man es aus der Hand legte, ahnt man, dass der Autor mit diesem Buch mehr erzählen will, als nur eine hübsche Geschichte.

 

Meines Wissens ist der Roman in neuerer Zeit nur im Jahre 1989 im Verlag Das Neue Leben Berlin erschienen. In gut sortierten Antiquariaten sollte es denoch zu finden sein.

Wer Lesekost abseits der modernen hektischen Ware sucht, wird hiermit sehr gut bedient sein.